Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Arbeit der Enterprise-Architekten (EA) in Unternehmen nicht von allen Betroffenen als wertschöpfend und notwendig angesehen wird. Projekte werfen der EA-Truppe vor, nicht schnell genug zu sein, die Fachseite behauptet, EA verhindere Innovationen und der CIO kann keinen messbaren Erfolg feststellen. Also frei nach dem §6 des „kölschen Grundgesetzes": „Kenne mer nit, bruch mer nit, fott domet?" Im Gegenteil – sage ich.

Digitalisierungszeiten sind VUCA-Zeiten

Wir leben in VUCA-Zeiten! Mit dem Akronym VUCA wird ausgedrückt, dass viele Herausforderungen für Entscheider durch diese vier Buchstaben umschrieben werden können:

Passt Enterprise-Architektur in die VUCA-Zeiten?

Oft steht die Enterprise-Architektur in der Kritik. EA-Architekten neigen dazu, den Anforderungen der Zeit mit einem zentralen Governance-Ansatz zu begegnen. Der ganzheitliche Ansatz, der streng einer Architecture Development Methode, z. B. nach TOGAF, folgt, schafft es nicht, die Forderungen nach mehr „Geschwindigkeit" zu erfüllen. Spätestens wenn die Prozesse und Systeme nicht mehr zueinander passen oder regulatorischen Anforderungen nicht mehr entsprochen werden kann, werden die Stimmen wieder lauter, die mehr Governance fordern.

Enterprise-Architecture in VUCA-Zeiten

Eine an VUCA-Rahmenbedingungen angepasste Enterprise-Architektur-Funktion zeichnet sich u. a. durch ein geändertes Kollaborationsmodell, durch aktives Management technischer Schulden, durch Vorgabe passender Rahmenbedingungen sowie durch Lösungsorientierung aus.

Kollaboration: Enterprise-Architekten müssen Vorhaben aktiv unterstützen. Insbesondere in frühen Phasen sind Expertise und der Blick für das große Ganze erforderlich. Gerade in agilen Umgebungen wie SAFe ist die Zusammenarbeit notwendig.

Technische Schulden: In Digitalisierungsvorhaben wird manchmal ein Lösungsweg gesucht, der zwar kurzfristig das jeweilige Vorhaben beschleunigt, langfristig aber gegen die Nachhaltigkeit von Unternehmensarchitektur verstößt. Die Unternehmensarchitektur muss einen Weg finden, um mit den technischen Schulden umzugehen.

Vorgaben nur auf Makroebene: Leitlinien und Prinzipien in Bezug auf Architektur sind ein wichtiges Instrument, um Vorhaben die Möglichkeit der EA-konformen Gestaltung zu geben, ohne die Lösungsfindung zu stark einzugrenzen.

Lösungsorientierung: Enterprise-Architekten müssen in VUCA-Zeiten Vorhaben ermöglichen und lösungsorientiert unterstützen. Die Zielsetzung ist nicht, Innovation zu verhindern, sondern sie in die Grundkonstruktion des Unternehmens zu integrieren.

Fazit

Das Spannungsfeld von Freiheit und Ordnung ist die Spielwiese eines modernen und an die VUCA-Anforderungen angepassten Enterprise-Architecture-Managements.

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