Mein Architektur-Blog
Architektur und Digitales

Unternehmensarchitekten stehen vor der Herausforderung, komplexe Zusammenhänge einer Organisation verständlich zu vermitteln – und zwar für sehr unterschiedliche Stakeholder: z.B. Management, Fachbereiche, IT, Security oder externe Partner. Viele Visualisierungsansätze scheitern daran, dass sie entweder zu technisch, zu abstrakt oder zu uneinheitlich sind. ArchiMate bietet hier eine Lösung: eine international standardisierte Modellierungssprache, die Business-, Applikations- und Technologielandschaften konsistent beschreibt. Besonders wertvoll ist die Fähigkeit von ArchiMate, die Motivation hinter Architektur sichtbar zu machen. Der Motivationslayer zeigt externe Treiber wie Regulatorik, Marktveränderungen, Sicherheitsanforderungen oder geopolitische Entwicklungen ebenso wie interne Treiber: strategische Ziele, Schmerzpunkte in Prozessen oder Effizienzerwartungen. So wird erkennbar, dass Architektur nicht zufällig entsteht, sondern konkrete Ursachen und Zielvorstellungen hat. Dieser Aspekt erleichtert Diskussionen enorm – gerade gegenüber Stakeholdern, die sonst nur fertige Lösungsarchitekturen sehen. Trotz dieser Stärken gibt es Skepsis: Modelle seien zu komplex, nicht managementtauglich, die Symbole schwer verständlich, das Tooling uneinheitlich, der Schulungsaufwand hoch. Und tatsächlich hat ArchiMate Grenzen, über die offen gesprochen werden muss. Ein wesentlicher Nachteil: Geschäftsprozesse können mit ArchiMate zwar grob strukturiert dargestellt, aber nicht detailliert modelliert werden. Wer Gateways, Ereignisse oder Schleifen benötigt, muss weiterhin BPMN nutzen. ArchiMate eignet sich hier eher zur Beschreibung der Prozesslandschaft, nicht zur operativen Prozessmodellierung. Ebenso können technische Spezifikationen nicht angemessen beschrieben werden. ArchiMate ist bewusst abstrakt und eignet sich nicht für API-Definitionen, Schnittstellenpayloads, Infrastruktur-Sizing oder Sequenzabläufe. Dafür braucht es ergänzende Modelle wie UML, SysML oder spezifische technische Dokumentationen. ArchiMate bleibt auf Architekturebene – und das ist sowohl Stärke als auch Einschränkung. Die Vorteile überwiegen dennoch: ArchiMate schafft Transparenz, ermöglicht Impact-Analysen, verbessert die Entscheidungsgrundlage, zeigt Abhängigkeiten und erleichtert Konsistenz in großen Organisationen. Besonders wertvoll wird der Standard, wenn modellgetriebene Architekturprozesse etabliert sind und EA-Tools genutzt werden. Für die Einführung gilt: klein starten, Pilotbereiche auswählen, klare Modellierungsrichtlinien definieren, Stakeholder früh einbeziehen, Schulungen pragmatisch gestalten und ein geeignetes Tool auswählen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist nicht das Symbolset, sondern die gemeinsame Sprache, die im Unternehmen entsteht. Meine Meinung: ArchiMate ist eines der wirksamsten Werkzeuge der Unternehmensarchitektur. Richtig eingesetzt, zeigt es nicht nur, wie Architektur aussieht, sondern vor allem warum sie entsteht. Es zwingt uns zu Klarheit und stärkt die Strukturierung von Entscheidungen. Wird es jedoch überfrachtet oder dogmatisch eingesetzt, verliert es seinen Nutzen. Pragmatismus bleibt der Schlüssel.
Am 2. und 3. September fand und findet der EA Connect Days 2020 Kongress, veranstaltet vom EA-Werkzeuganbieter LeanIX, in Bonn statt. Bedingt durch die aktuellen Rahmenbedingungen, wurde der Kongress hybrid durchgeführt, d.h. alle Vorträge wurden online und onsite übertragen. Die Vortragenden waren nicht alle vor Ort, sie wurden entweder live übertragen oder eingespielt. Die Lokation war, wie im Jahr 2019, der ehemalige Bundestag in Bonn. Der Kongress war, gemessen an der allgemeinen Verunsicherung durch COVID 19, gut besucht. Auch im Online-Chanel war viel los. Allerdings fiel auf, dass insbesondere "onsite" der Andrang fehlte. Die Agenda versprach eine bunte Mischung aus verschiedenen Stoßrichtungen im Kontext EA. Das Versprechen wurde gehalten, mit Einschränkungen allerdings – dazu später. Aus dem reichhaltigen Angebot an kurzweiligen Vorträgen möchte ich nur einen kleinen Auszug nennen. Eine der Keynotes wurde von Frank Thelen gehalten, der die Zuhörerschaft motivierte, in diesen disruptiven Zeiten verstärkt Technologien zu verstehen und zu nutzen. Eine grundsätzliche ablehnende Haltung würde nichts an der weltweiten Nutzung und Ausbreitung ändern. Ich kann diesen Standpunkt sehr gut nachvollziehen. Gerade in Europa stehen wir neuen Technologien sehr kritisch und skeptisch gegenüber. Auch die Fragen im Plenum bezogen sich auf die kritischen Aspekte. Der BPM-Werkzeughersteller Signavio, vertreten durch Gero Decker, berichtete in einem Interview über die Faszination und Bedeutung der Prozesse und wies auf die Integration von LeanIX und Signavio hin. Gleichzeitig wurde Process Mining als das Hypethema auf dem Gebiet propagiert. Auch das Thema Cloud fehlte nicht. Unter dem Aspekt CMDB wurde auf einer Podiumsdiskussion auf das Spannungsfeld Agilität und Governance hingewiesen. Einer der Höhepunkte für mich waren die LeanIX-Features zum Thema „Business Transformation Management“ (BTM), die André Christ (LeanIX CEO) präsentierte. Dahinter verbirgt sich die Modellierung von Szenarien, die im Zusammenhang von Transformationen notwendig sind. Durch BTM hebt sich LeanIX von der Konkurrenz ab. Die vielseitige Nutzung von LeanIX wurde an verschiedenen Projektbeispielen aufgezeigt. Auch die Integration mit anderen Werkzeugen wie Apptio wurde präsentiert. Am 3. September wird ein LeanIX Certified EA Associate Training stattfinden.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Arbeit der Enterprise-Architekten (EA) in Unterneh-men nicht von allen Betroffenen als wertschöpfend und notwendig angesehen wird. Projekte werfen der EA-Truppe vor, nicht schnell genug zu sein, die Fachseite behauptet, EA verhindern Innovationen und der CIO kann keinen messbaren Erfolg feststellen. Also frei nach dem §6 des „kölschen Grundge-setzes“ „Kenne mer nit, bruch mer nit, fott domet?“ Im Gegenteil - sage ich. Gerade in Zeiten der Digi-talisierung brauchen Unternehmen Architekturfähigkeiten, die helfen mit der VUCA-Welt umzugehen.

Die Cloud ist nicht mehr wegzudenken: Sowohl in geschäftlicher als auch privater Hinsicht heißt es immer öfter „Gehen Sie in die Cloud?“, „Ich arbeite in einem Cloud-Projekt.“ Oder auch nur „Cloud-Architekt gesucht“. Obwohl der Begriff eigentlich kein spezifisches Produkt bezeichnet und mehr ein Marketing- als ein IT-Begriff ist, wird Cloud vielfältig verstanden und interpretiert. Die Cloud scheint eine der Antworten auf die Digitalisierung zu sein, die eine strategische Ausrichtung braucht.

Es gibt diese Themen, die bei manchen Zeitgenossen sehr emotionale Reaktionen auslösen und zu heftigen Reaktionen führen, selbst wenn das jeweilige Thema eher technisch ist und die beteiligten Parteien rational Denkende und Handelnde sind. Microservices sind so ein Thema. Ich habe diese Situation, in der es nur um ein entweder/oder geht, als Berater mehrfach erlebt und habe die eingebrachte Emotionalität nur bedingt nachvollziehen können. Für mich sind Microservices - bei allen Nachteilen – ein geeignetes Architekturmuster, um althergebrachte Nachteile zu überwinden. Darum möchte ich kurz über meine Sicht und Einordnung auf das Muster „Microservice Architektur“ eingehen und eine zugebenermaßen subjektive Bewertung vornehmen. Um es jetzt schon zu sagen: Mich begeistern Microservices!

Enterprise Architecture Management ist wahrlich nichts Neues. Oft kann man als Berater den Eindruck gewinnen, dass es in den Organisationen geradezu aus der Mode gekommen ist, ernsthaft über die Chancen und Möglichkeiten eines ausgewachsenen EAM zu reden. Die Vorwürfe lauten: "zu starr", "zu langsam", "zu teuer", "zu IT-lastig" und dergleichen mehr. Tatsächlich ist es in Organisationen zu beobachten, dass vor Jahren erste Erfahrungen mit TOGAF und Co. gemacht wurden. Aber irgendwie hat es scheinbar nichts gebracht (Wo waren die KPI?). Höchste Zeit für einen Relaunch. Damit der gelingen kann, möchte ich hier ein Grundsätze bzw. Richtlinien benennen, von denen ich behaupte, dass sie bei der Einführung von EAM helfen. Es müssen auch Branchenspezifische Eigenheiten berücksichtigt werden, aber in der ersten Näherung gelten diese Grundsätze übergreifend.


